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I. Der Workshop zur UN-Behindertenrechtskonvention diskutiert über Rechte in der Theorie und Praxis

Der Workshop "Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Psychiatrie" beschränkte sich wegen des grossen Umfangs der UN-BRK auf die Diskussion einiger wichtiger Inhalte: Zum Anwendungsbereich (Artikel 1) hielten die Teilnehmer fest, dass zu den Behinderten im Sinne der UN-BRK praktisch alle psychisch kranken Menschen zählen, weil als "langfristig" bereits eine Krankheitsdauer von mehr als 6 Monaten gilt. Damit gelten z.B. auch Menschen, die einmalig eine depressive Episode erleben, zu den Behinderten. Im Sinne des Artikels 12 (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) haben Menschen mit Behinderungen das Recht als "Rechtssubjekt" anerkannt zu werden. Daraus folgerten Teilnehmer des Workshops, dass die übliche Praxis der Betreuung zumindest einer kritischen Prüfung unterzogen werden müsse. Im Betreuungsrecht ist es vielfach Praxis, dass über den Kopf der Betroffenen hinweg entschieden werde. So spricht z.B. ein Arzt vor einem einwilligungsbedürftigen Eingriff mit dem Patient und seinem Betreuer. Eine direkte Kommunikation zwischen Patient und Betreuer findet aber vielfach nicht statt. In den Artikeln 25 und 26 (Gesundheit und Rehabilitation) steht, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf das erreichbare Höchstmass an Gesundheit ohne Diskriminierung haben. Daraus folgt ein Recht auf Behandlung mit dem Höchstmass an Qualität. Die Praxis vieler psychosomatischer Fachkliniken, sich die Patienten danach auszusuchen, ob sie ins Behandlungskonzept der Klinik passen, bedarf mithin einer sehr kritischen Beobachtung.

Ansprechpartner: Gudrun Schliebener, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, und Wolf Hartmann, Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen


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