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Am 20. März 2012 feierte das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit eine Premiere

Professor Dr. Wolfgang Gaebel Zum ersten Mal waren alle Mitglieder eingeladen, sich in Berlin auszutauschen und die Arbeit der verschiedenen Mitgliedsverbände besser kennenzulernen. Neben einem vielfältigen Angebot an Informationsmaterial, das zum Mitnehmen von allen teilnehmenden Organisationen ausgelegt war, rundeten vier Workshops am Nachmittag das Treffen ab. Auch für die weitere Arbeit des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit lohnte sich das erste Zusammenkommen dieser Art: So hat der Workshop "Psychische Erkrankung von Kindern und Jugendlichen" beschlossen, im Herbst über die Gründung einer eigenen Arbeitsgruppe zu beraten (s.u.).
Nachdem der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüsst hatte, richtete Herr Dr. Thomas Stracke vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sein Grusswort an das Aktionsbündnis. Er betonte die Bedeutung der Vernetzung im Aktionsbündnis und unterstrich, dass das Bundesministerium für Gesundheit das Aktionsbündnis weiter unterstützen will. Beide betonten die Bedeutung eines solchen Treffens, das Synergien innerhalb des Bündnisses freisetzen könne. Dr. Thomas Stracke, Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Über die Medienarbeit des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit

In seinem Impulsreferat über das Medienprojekt des Aktionsbündnisses stellte Carsten Burfeind aus der Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses unter anderem dessen Ziele und Inhalte vor. Die Medienarbeit des Aktionsbündnisses wird in den kommenden Jahren ihren Schwerpunkt auf vier Arbeitsfelder legen: Ein Redaktionsdienst soll eingerichtet werden, die Arbeit mit Journalisten sowie Drehbuchautoren soll in den Fokus rücken und die Selbsthilfe soll gestärkt und unterstützt werden. Letzteres Vorhaben wird vor allem darin bestehen, Medientrainings für Betroffene aus der Selbsthilfe anzubieten, um u.a. einen "Experten-Pool" für Interviewanfragen zusammenstellen zu können. Hierfür gibt es im Rahmen des Medienprojekts zwei Teilprojekte, die vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) und vom Bundesverband der Angehörigen psychischer Kranker (BApK) durchgeführt und verantwortet werden.

buendnistreffen2012-impuls-medienprojekt-burfeind.pdf (382.42 KB)

Neben den Pausen, in denen viele Kontakte hergestellt und gepflegt werden konnten, waren die vier Workshops am Nachmittag zentraler Punkt für die über 40 Teilnehmer aus knapp 30 Mitgliedsverbänden.
Neben dem Workshop über "Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen" gab es auch Workshops zum Thema "Umsetzung der UN-BRK im Bereich der Psychiatrie", zu "Arbeit, Rehabilitation, Wiedereingliederung" und zum "Medienprojekt des Aktionsbündnisses".

I. Der Workshop zur UN-Behindertenrechtskonvention diskutiert über Rechte in der Theorie und Praxis

Der Workshop "Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Psychiatrie" beschränkte sich wegen des grossen Umfangs der UN-BRK auf die Diskussion einiger wichtiger Inhalte: Zum Anwendungsbereich (Artikel 1) hielten die Teilnehmer fest, dass zu den Behinderten im Sinne der UN-BRK praktisch alle psychisch kranken Menschen zählen, weil als "langfristig" bereits eine Krankheitsdauer von mehr als 6 Monaten gilt. Damit gelten z.B. auch Menschen, die einmalig eine depressive Episode erleben, zu den Behinderten. Im Sinne des Artikels 12 (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) haben Menschen mit Behinderungen das Recht als "Rechtssubjekt" anerkannt zu werden. Daraus folgerten Teilnehmer des Workshops, dass die übliche Praxis der Betreuung zumindest einer kritischen Prüfung unterzogen werden müsse. Im Betreuungsrecht ist es vielfach Praxis, dass über den Kopf der Betroffenen hinweg entschieden werde. So spricht z.B. ein Arzt vor einem einwilligungsbedürftigen Eingriff mit dem Patient und seinem Betreuer. Eine direkte Kommunikation zwischen Patient und Betreuer findet aber vielfach nicht statt. In den Artikeln 25 und 26 (Gesundheit und Rehabilitation) steht, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf das erreichbare Höchstmass an Gesundheit ohne Diskriminierung haben. Daraus folgt ein Recht auf Behandlung mit dem Höchstmass an Qualität. Die Praxis vieler psychosomatischer Fachkliniken, sich die Patienten danach auszusuchen, ob sie ins Behandlungskonzept der Klinik passen, bedarf mithin einer sehr kritischen Beobachtung.

Ansprechpartner: Gudrun Schliebener, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, und Wolf Hartmann, Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen


II. Der Workshop "Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen" befasste sich mit Fragen weiterer Kooperationsmöglichkeiten im Rahmen des Bündnisses

Der Workshop "Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen" befasste sich mit Fragen weiterer Kooperationsmöglichkeiten bzw. möglicher gemeinsamer Zielsetzungen innerhalb des Aktionsbündnisses. Übereinstimmend unter den Teilnehmern wurden Schwierigkeiten an den Schnittstellen des SGB und den daraus resultierenden, oftmals fachlich nicht optimalen Mischfinanzierungen gesehen. Eine durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Erhebung des Dachverbands Gemeindepsychiatrie machte aber auch deutlich, dass es bundesweit zahlreiche Modelle gibt, wie diesen Schwierigkeiten begegnet werden kann. Lokal bestehende Finanzierungsmodelle sind dabei sehr unterschiedlich ausgestaltet. Es wurde vereinbart, dass es nach der am 24. September 2012 stattfindenden Mitgliederversammlung ein erneutes Treffen der Workshop-Beteiligten geben soll, welches auch offen für andere interessierte Bündnismitglieder sein soll. Dort soll weiter ausgelotet werden, ob es konkrete weitere Aufgabenstellungen geben kann, die dann im Rahmen einer zu konstituierenden Arbeitsgruppe des Aktionsbündnisses weiter verfolgt werden könnten. Hier wurde übereinstimmend die Notwendigkeit gesehen, sich mit dem Themen "Gesunde Lebensräume für Kinder und Jugendliche" sowie "Prävention seelischer Erkrankungen" zu beschäftigen - vielleicht sogar im Rahmen des Medienprojektes. Die Mitglieder des Workshops planen, sich per E-Mail-Verteiler über ihre jeweiligen Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten.

Ansprechpartner: Dr. Gundolf Berg, bkjpp, und Birgit Görres, Dachverband Gemeindepsychiatrie


III. Der Workshop zum Thema Arbeit diskutiert über die Lage für psychisch erkrankte Menschen am Arbeitsplatz

Im Workshop "Arbeit, Rehabilitation, Wiedereingliederung" war gemeinsames Anliegen aller Workshopteilnehmer die Betonung der Notwendigkeit von Aufklärung und Information über psychische Erkrankungen für Arbeitgeber. Dabei geht es zum einen um Entstigmatisierung durch Information, zum anderen aber auch um Hinweise über den Umgang mit betroffenen Mitarbeitern bzw. Kollegen. Sonderthemen hierbei waren die Verstärkung der Fachinformationen für Betriebsärzte sowie Informationen über Arbeitsplatzgestaltung und -organisation psychisch kranker Mitarbeiter. Eine trialogische Gestaltung entsprechender Veranstaltungen steigert deren Erfolg und Nutzen. Seitens der Reha-Träger wurde auf den Mangel an qualifizierten Reha-Plätzen hingewiesen. (Nachtrag: die zunehmende Ausschreibungspraxis im Reha-Bereich dürfte diesen Mangel noch verstärken.)

Ansprechpartner: Heiko Kilian, Bundesarbeitsgemeinschaft Beruflicher Trainingszentren


IV. Der Workshop "Medienprojekt des Aktionsbündnisses" diskutiert über wirksame Medienarbeit

In letzterem stellte der BApK zunächst sein Teilprojekt "OpenFace" vor, in dem es darum geht, besagten "Experten-Pool" mit psychisch erkrankten Menschen aufzubauen, die Journalisten Interviews geben und vor Kameras auftreten können und wollen. Dazu gehören auch Schulungen, um den Umgang mit den Medien zu üben. Teilnehmer schlugen vor, ein Handbuch für diese Journalistenschulungen zu erstellen. Diskutiert wurde auch die Frage, ob Schauspieler die Aufgabe für psychisch erkrankte Menschen übernehmen sollen, in den Medien präsent zu sein. Es wurde festgestellt, dass gerade bei der Darstellung der eigenen Krankheitsgeschichte echte Emotionen eine grosse Rolle spielen, die bewirken, dass der Gegenüber diese auch als "echt" empfindet und die Krankheitsgeschichte dadurch besser nachempfinden kann. Ausserdem war ein Vorschlag, mit Kampagnen an die Politik heranzutreten, zum Beispiel indem man berühmte Personen dazu einlädt. Die Medienarbeit des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit sieht vor, monatlich Pressemitteilungen mit Experten-Aussagen und Hintergrundmaterial zu liefern.

Ansprechpartner: Carsten Burfeind, Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, und Beate Lisofsky, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker


Kontakt, Information und gelegentlicher Protest sind wichtig gegen Stigmatisierung

In seinem Schlusswort betonte Herr Professor Gaebel, dass ein solches Treffen regelmässig ein- bis zweimal pro Jahr stattfinden sollte, und betonte auch, dass vor allem Kontakt, Information und teilweise auch Protest zu den Kernpunkten zählen, um gemeinsam gegen Stigmatisierung vorzugehen.

Insgesamt war die Stimmung sehr ausgewogen und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr kontaktfreudig. Ausser Frage stand, dass ein solches Treffen spätestens im nächsten Jahr wiederholt werden müsse, um dort weiterzumachen, wo man stehen geblieben war: beim Vernetzen und Aktivieren im Rahmen des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit.

buendnistreffen2012-ablauf_stand-2012-02-23.pdf (27.42 KB)


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