Der DGPPN-Antistigma-Preis würdigt Projekte und Initiativen, die sich für eine nachhaltige Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen einsetzen. Im Rahmen des DGPPN Kongresses im CityCube Berlin wurden gestern Abend die diesjährigen Preisträger ausgezeichnet. Ausgrenzung und Stigmatisierung sind für die Betroffenen und ihr Umfeld eine große Belastung. Sie wirken sich nicht nur negativ auf den Heilungsprozess aus, sondern erschweren psychisch erkrankten Menschen auch eine Teilhabe am sozialen Leben. Dagegen will der Antistigma-Preis ein Zeichen setzen.

In diesem Jahr bewarben sich 25 Initiativen aus Forschung, Wirtschaft, Kultur und dem psychosozialen Bereich um den DGPPN-Antistigma-Preis. Die renommierte Auszeichnung wird seit 2002 in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Fachjury unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Gaebel,  Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, hat insgesamt vier Gewinner ausgewählt. Sie alle haben innovative Ideen entwickelt, um Betroffene im privaten wie beruflichen Umfeld zu unterstützen.

Mit dem ersten Preis wird in diesem Jahr das Projekt AUSWEGLOS von U25, dem Online Beratungsangebot für junge Menschen des Caritasverbandes ausgezeichnet. Bei diesem Präventionsprogramm gegen Suizid können sich junge Hilfesuchende über das Internet unkompliziert Unterstützung holen.  Beraten werden sie von  gleichaltrigen „Peers“ zwischen 16 und 25, die vorab eine Ausbildung zu sogenannten „Gatekeepern“ absolviert haben. Gemeinsam mit Sozialpädagogen klären sie die Jugendlichen auf Augenhöhe über Krisen, Suizidalität und psychische Erkrankungen auf. Die Projektmitarbeiterinnen Lea Timmermann und Christina Obermüller nahmen die mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen.

Der geteilte zweite Preis in Höhe von 3000 Euro wurde an den Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) e. V. vergeben. Mit seinem innovativen Comic-Projekt „Die Wunschperle. Vom Einfluss seelischer Erkrankungen auf Geschwisterkinder“ möchte der Verband auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen und Eltern, Freunden und Fachleuten mit einer kindgerecht gestalteten Geschichte eine Gesprächshilfe anbieten. Zum Comic gehört auch ein Begleitband, der über Krankheitsbilder, Therapien und Hilfsangebote informiert. Mit dem Preisgeld sollen weitere Materialien für die häufig übersehenen Geschwister psychisch erkrankter Kinder entwickelt werden.

Dritter Gewinner mit ebenfalls 3000 Euro ist das Projekt „Selbst Betroffene Profis“ der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) e. V.  Die Idee dazu stammt von drei Ärztinnen, die an  einer bipolaren Störung erkrankt sind und dadurch berufliche Nachteile erfahren haben. Das Projekt will das Tabuthema von psychischen Erkrankungen bei Berufstätigen im Gesundheitswesen in die Öffentlichkeit bringen. Daneben beteiligt sich die Gruppe an aktuellen Forschungsprojekten und knüpft internationale Kontakte wie zum Doctors`Support Network in Großbritannien.

Einen Anerkennungspreis erhielt das Kooperationsprojekt Peers at work von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (SDD) und der Stiftung Bahnsozialwerk (BSW). Dabei werden psychisch erkrankte Mitarbeiter von ehemals betroffenen Kollegen an entscheidenden Schnittstellen im Krankheits- und Behandlungsverlauf aktiv begleitet und unterstützt. In einem Pilotprojekt wird diese neue betriebliche Peer-Beratung bei an Depressionen erkrankten Mitarbeitern an zunächst zwei Standorten der Deutschen Bahn AG erprobt. Nach Ansicht der Jury hat das Projekt Peers at work Modellcharakter für das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen. Die beiden Projektverantwortlichen, Susanne Baldauf (SDS) und Thomas Heeb (BSW), nahmen den Preis entgegen.

Weitere Informationen: www.dgppnkongress.de


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