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Gewinner des DGPPN-Antistigma-Preises 2015 ausgezeichnet

Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erweist sich für die Betroffenen und ihr Umfeld als schwere zusätzliche Belastung. Sie wirkt sich nicht nur negativ auf den Heilungsprozess aus, sondern erschwert häufig auch eine positive Teilhabe am Leben in der sozialen Gemeinschaft. Am Samstag, den 28. November 2015, werden deshalb drei Projekte mit dem DGPPN-Antistigma-Preis ausgezeichnet, die ein Zeichen gegen die Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Erkrankungen setzen.

Die Verleihung findet im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung Was die Seele stark macht auf dem DGPPN Kongress im CityCube Berlin statt. Die Teilnahme ist kostenfrei und für alle Interessierten zugänglich.

Der DGPPN-Antistigma-Preis wird von der DGPPN in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen. Er ist insgesamt mit 10.000 Euro dotiert. Die Jury hat die drei Gewinner aus 33 Bewerbungen aus Forschung, Wirtschaft, Kultur und psychosozialen Bereichen ausgewählt. Ausschlaggebend bei der Entscheidung waren Einzigartigkeit, Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit der Projekte.

Hauptpreisträger ist das Aktionsprogramm Mut Tour. Es erhält ein Preisgeld von 5.000 Euro. Mit einer Radtour durch ganz Deutschland mit Betroffenen und Nicht-Betroffenen verbindet der Initiator Sebastian Burger Sport, sozialen Austausch, Naturerlebnis und Öffentlichkeitsarbeit. Das Programm läuft bereits seit 2012 – und zwar sehr erfolgreich. Für die Teilnehmer bedeutet dies Bewegung und Spaß, gleichzeitig sind rund 1.500 Beiträge zum Thema Depression und dem Leben mit einer psychischen Erkrankung in Print (950), TV und Hörfunk (50) sowie im Internet (500) entstanden. Sechs Menschen mit und ohne Depressionserfahrungen fuhren auch in diesem Jahr gemeinsam auf Tandems durch Deutschland. Sie schliefen in Zelten, trafen täglich Journalisten und berichteten vor einem positiven Hintergrund von ihrem Leben und dem Umgang mit der Depression. In 12 Etappen radelten die Teams 8.300 Kilometer durch die gesamte Republik und nahmen an 46 Aktionstagen in 60 Orten teil, bei denen Bürger informiert und zum Mitfahren animiert wurden. Eine Initiative, die laut Juryentscheidung tatsächlich Mut macht und auf beeindruckende Weise ihrem Ziel näher kommt: In einer Gesellschaft zu leben, in der man offen über psychische Erkrankungen sprechen kann.

Sportlich aktiv integriert auch der zweite Preisträger Menschen mit psychischen Erkrankungen: RWE Team III Rot-Weiß Essen, der bekannte Traditions-Fußballclub, meldete erstmals zur Saison 2013/14 eine dritte Mannschaft in der Kreisliga an, die er nicht nur mit seinem guten Namen, sondern auch mit der kompletten Infrastruktur unterstützt. 25 Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen spielen in diesem Team. Sie kommen alle aus dem Umfeld sozialer Essener Einrichtungen. In ihrer neuen Mannschaft lernen sie auf spielerische Art Dinge wie Zusammengehörigkeitsgefühl, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen: Als Team gewinnen sie, als Team verlieren sie. Vor allem aber gewinnen die jungen Menschen von Spiel zu Spiel mehr Fans und Freunde, die sich ein neues, anderes Bild von Menschen mit psychischen Erkrankungen machen. Initiiert wurde das Projekt von der Prof. Dr. Christian Eggers-Stiftung, die sich die Förderung von psychisch erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu ihrer Aufgabe gemacht hat. Prof. Dr. Christian Eggers wird die Auszeichnung und das Preisgeld von 2.500 Euro in Berlin entgegennehmen.

Papas Seele hat Schnupfen – so heißt das Buch, das Kindern bei der Bewältigung von psychischen Erkrankungen in der Familie helfen soll. Den Autorinnen Claudia Gliemann (Text) und Nadia Faichney (Illustration) ist eine bemerkenswert einfühlsame Publikation zu einem noch immer tabuisierten Thema gelungen. Mit phantasievollen Illustrationen erzählt es die Geschichte der kleinen Nele, deren Papa an Depressionen leidet und damit auch in dem Kind Gefühle der Wut, Ohnmacht und Traurigkeit auslöst. Zum Glück gibt es einen Freund an ihrer Seite, der ihr erklärt, warum ihr Papa so traurig ist und dass auch die Seele Schnupfen haben kann. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressionsliga und Unterstützung des AOK-Bundesverbands im Kinderbuchverlag Monterosa 2014 erschienen. Das Preisgeld von 2.500 Euro soll in die Entwicklung eines Arbeitsheftes zu dem Thema einfließen.

Die Verleihung des DGPPN-Antistigma-Preises findet morgen, Samstag, den 28. November 2015, von 11.00 bis 13.00 Uhr, auf der öffentlichen Informationsveranstaltung Was die Seele stark macht im Rahmen des DGPPN Kongresses 2015 im CityCube Berlin statt. Prof. Steffi G. Riedel-Heller (Universität Leipzig) und Bestseller-Autorin Dr. Christina Berndt (Süddeutsche Zeitung) erklären wie man die psychische Widerstandskraft stärken und eigene Schutzmechanismen trainieren kann. Die Teilnahme ist kostenfrei und für alle Interessierten zugänglich.

Weitere Informationen: www.dgppn.de

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist die größte und älteste wissenschaftliche Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die in Deutschland auf den Gebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde arbeiten. Grundlage der Arbeit ist die Vision einer Gesellschaft, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen unbehelligt von Vorurteilen leben können und in der sie die ihnen entsprechende Zuwendung und die notwendigen Hilfen erhalten. Für alle Menschen soll jederzeit und an jedem Ort die optimale, wissenschaftlich fundierte und individualisierte medizinische, psychologische und soziale Hilfe verfügbar sein.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Zu den rund 80 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Gemeinsam setzen wir uns für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung in der der Gesellschaft ein. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms.

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
Astrid Ramge
Projektkoordination

Download: pm15-12-antistigmapreis2015.pdf (188.36 KB)


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