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Berlin Fashion Week: Modewelt als scheinbarer Weg ins Glück

Anorexie ist ein Thema, das Models, Designer und Modeagenturen auf der Berliner Fashion Week, die bis zum 20. Januar stattfindet, ungern ansprechen.

Denn durch das Idealbild eines schlanken und schönen Körpers, das insbesondere durch die Modewelt beeinflusst wird, kann diese Essstörung ausgelöst werden. Für Betroffene hat dies meist starke psychische Auswirkungen, die zusammen mit den körperlichen Veränderungen lebensgefährlich werden können.

"Die Modewelt vermittelt ein Bild von Attraktivität und Leichtigkeit, das einen scheinbaren Weg ins Glück zeigt", sagt Anke Lambrecht, Ärztin und Vorsitzende des Vereins Dick & Dünn Nordwest. Das sei verführerisch, weil die Schlussfolgerung nahe liege: Wenn ich dünn bin, habe ich keine Probleme. "Dem eigenen Körper kontrolliert Nahrung zu entziehen ist eine Bewältigungsstrategie", sagt Lambrecht. Denn das Streben nach dem Schlankheitsideal biete einen äusseren Halt für die innere Unsicherheit. Oft gehen damit aber auch Zwangssymptome und depressive Symptome einher.

Wibke Schuster ist aufgrund einer psychischen Krise magersüchtig geworden und bestätigt, dass Magersucht ein Anker sei. Denn durch die ständige Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme würden andere Probleme ausgeblendet werden. "Die Erkrankung gibt einem ein Gefühl der Kontrolle, das man in anderen Lebensbereichen nicht hat", sagt Schuster. Über den Verein Irre menschlich leistet sie Präventionsarbeit an Hamburger Schulen. Dort berichtet sie den Schülern aber auch, dass sie jeden Tag das Gefühl hatte, ein wenig mehr bei vollem Bewusstsein zu sterben, was unbeschreiblich schmerzhaft gewesen sei.

"In jeder Klasse sitzen etwa drei Schüler, auf die das Thema zutrifft oder bei denen sich die Lehrer Sorgen machen, ob eine Problematik vorliegt", sagt Manuela Richter-Werling, Geschäftsführerin des Vereins Irrsinnig Menschlich in Leipzig. Das Schulpräventionsprojekt "Verrückt? Na und!" des Vereins zeigt, dass nicht nur Events wie die Berliner Fashion Week, sondern auch mediale Vorbilder und Fernsehsendungen wie "Germany´s Next Topmodel" eine grosse Rolle für das Essverhalten spielen. "Die Jugendlichen wachsen mit diesen medialen Schönheitsidealen auf, die oft keine realen Körper mehr zeigen", so Richter-Werling.

"Die Entstehung einer psychischen Erkrankung wie Anorexie ist zumeist weitaus komplexer als dass man sie auf einen Faktor wie das Schönheitsideal reduzieren kann", erklärt der Psychiater Professor Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit. Neben dem gesellschaftlichen Schönheitsideal gebe es weitere Risikofaktoren wie interfamiliäre Probleme und interne Faktoren wie ein mangelndes Selbstvertrauen oder starke Leistungsorientierung. "Möglichst frühzeitig sollten deshalb psychotherapeutische Massnahmen zum Einsatz kommen, die an Hintergrundkonflikten und einer Korrektur des Selbstbildes ansetzen", rät Professor Gaebel. Unbehandelt kommt es zu vielerlei körperlichen Folgeschäden: Bei schweren Verläufen treten gar lebensbedrohliche Zustände auf.

Studien zeigen, dass 26 Prozent der Jugendlichen mit ihrer Figur unzufrieden sind und ihr Essverhalten zügeln. Mädchen sind davon am häufigsten betroffen, zunehmend aber auch Jungen. Anorexie kommt nach Schätzungen bei 0,5 bis 1 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland vor. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, das sich in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) befindet, thematisiert diese psychisch bedingte Erkrankung in Kooperation mit seinen Bündnispartnern, die sich hierzu engagieren.

Weitere Informationen zu themenbezogenen Bündnispartnern und deren Projekten

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Gesundheit Daniel Bahr. Zu den über 70 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms.

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
Martina Gauder
Projektmitarbeiterin

pm13-01-berlin-fashion-week.pdf (253.34 KB)


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