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Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der zweiten Ausgabe unseres Newsletters möchten wir Sie neugierig machen auf die zweite Berliner Woche der Seelischen Gesundheit, die auch in diesem Jahr wieder rund um den Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober in der Hauptstadt stattfinden wird. Zu diesem Thema finden Sie auch unseren Gastbeitrag.

Ebenfalls zum zweiten Mal geht in diesem Herbst das Filmfestival "Ausnahmezustand" an den Start, auf das wir Sie im zweiten Teil unserer Ankündigungen hinweisen möchten. Abschliessend haben wir in der Rubrik "Schon gewusst?" den Begriff Stigma für Sie nachgeschlagen.
Wir wünschen viel Spass beim Lesen!

Ihr Redaktionsteam

NewsletterNo2_2008-06.pdf


Termine und Ankündigungen Teil I

2. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit

Ob Robert Schumann, Rainer Maria Rilke oder Caspar David Friedrich viele bedeutende Künstler, Musiker und Schriftsteller waren im Laufe ihres Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, waren sie wegweisend für unsere Kultur und haben einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft geleistet. Gleichzeitig spielt der künstlerische Bereich auch in der Therapie und Rehabilitation von psychisch Erkrankten eine wichtige Rolle. Diese Zusammenhänge möchten wir im Rahmen der 2. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit, vom 6. bis 12. Oktober 2008, aufgreifen und setzen daher den Schwerpunkt der Themenwoche auf die Verbindung von seelischer Gesundheit mit Malerei, Musik und Literatur.
Doch nicht nur Kunst und Kultur werden eine Rolle spielen: Wie im letzten Jahr, so wird es auch 2008 wieder zahlreiche Filmvorführungen, Diskussionsabende und Fachgespräche geben. Die Koordination der Aktionswoche, die unter der Schirm-herrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin steht, liegt federführend beim Aktionsbündnis Seelische Gesundheit.

www.aktionswoche.seelischegesundheit.net


Gastbeitrag

Statement zur Berliner Woche der Seelischen Gesundheit von dem Psychiatrie-Beauftragten des Landes Berlin, Heinrich Beuscher:

Information und Aufklärung über psychische Störungen, das Aufzeigen, dass es Gesundheit ohne seelische Gesundheit nicht gibt aber auch das konsequente Eintreten für die Rechte und Belange psychisch erkrankter Menschen ist für mich eine grosse Herausforderung. Die häufige Skepsis gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen und weit verbreitete Voreingenommenheit halten sich hartnäckig. Stigmatisierung von psychischer Erkrankung ist leider auch heute noch, trotz der grossen Erfolge der Psychiatriereform, ein gesellschaftliches Problem. Folgerichtig haben auch die Gesundheitsminister und Gesundheitsministerinnen der Bundesländer auf ihrer Sitzung im Juli 2007 darauf hingewiesen, dass die Entstigmatisierung eine gesellschaftliche Aufgabe ist, die weiterhin grosser Anstrengungen aller gesellschaftlichen relevanten Kräfte bedarf.

Dass Vorurteile ausgeräumt, psychisch kranke Menschen genauso wie somatisch kranke akzeptiert werden, dafür setze ich mich ein. Deswegen hat mich die Idee des Aktionsbündnisses, eine ganze Woche für seelische Gesundheit in Berlin zu initiieren und somit ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen, fasziniert. Viele andere in der Stadt haben dies genauso gesehen und sich gern auf dieses Experiment eingelassen. Der Berliner Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, unterstützt diese Kampagne offensiv und hat mit der Übernahme der Schirmherrschaft ein Zeichen zur konsequenten Förderung seelischer Gesundheit und gegen Stigmatisierung gesetzt. Auch die Senatorin für Gesundheit, Katrin Lompscher, hat zur Woche der seelischen Gesundheit die politischen Verantwortungsträger in den Berliner Bezirken aufgerufen, sich aktiv für die Belange psychisch kranker Menschen einzusetzen. Über 80 Veranstaltungen in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen, war ein riesiger Erfolg und ich danke auch an dieser Stelle allen Veranstaltern und Initiatoren ausdrücklich.

Und doch bewegt man mit einer einzelnen Aktion noch längst keinen Bewusstseinswandel. Deswegen begrüsse ich es, dass die Initiatorinnen und Initiatoren diese Aktionswoche wiederholen wollen und unterstütze die Veranstaltungen. Ich freue mich sehr, dass das "Aktionsbündnis Seelische Gesundheit" die seelische Gesundheit (wieder) eine Woche lang zum öffentlich erfahrbaren Thema in Berlin und möglichst vielen weiteren Städten und Gemeinden in Deutschland macht.


Termine und Ankündigungen Teil II

Filmfestival Ausnahme ¦ Zustand 2008: "Verrückt nach Leben"

Auch das bundesweite Filmfestivals Ausnahme|Zustand des Leipziger Vereins Irrsinnig Menschlich wird im Rahmen der Berliner Themenwoche seinen Auftakt haben. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto: Verrückt nach Leben. Im Mittelpunkt stehen neue Dokumentar- und Spielfilme, die von der Gedanken- und Gefühlswelt Heranwachsender erzählen: von ihrer Sehnsucht nach Liebe und Halt, von ihren Krisen und Grenzerfahrungen, von ihrer Selbstbehauptung inmitten einer unsicheren, destruktiven Welt der Erwachsenen, von ihrer Kraft und ihren eigenen Wegen.
Damit wendet sich das Festival vor allem an junge Menschen zwischen 15 bis 27, aber auch an alle, die mit Jugendlichen zu tun haben, neugierig auf das Leben sind und gern ins Kino gehen. Über 60 Städte und Regionen haben sich bereits für das Festival angemeldet. Schirmfrauen des Filmfests sind die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Katrin Evers-Meyer, sowie Fernsehmoderatorin und Sängerin Inka Bause. Gefördert wird das Festival von der AKTION MENSCH.
Weitere Informationen finden Sie unter www.ausnahmezustand-filmfest.de.

Städte und Initiativen, die sich noch am Filmfestival beteiligen möchten, können sich bei den Initiatoren von Irrsinnig Menschlich e.V. melden.


Schon gewusst?

Für Sie nachgeschlagen: "Stigma"

Aus dem Griechischen kommend, bedeutet "Stigma" Merkmal oder Kennzeichen. Der Begriff findet Verwendung in sehr unterschiedlichen Fachgebieten. So wird z.B. in der Botanik die am Griffelende sitzende Narbe von Blüten als Stigma bezeichnet. In der biologischen Fachterminologie begegnen wir dem Begriff Stigma als Atemöffnung der Insekten und Tausendfüssler, als Augenfleck bei Algen und als Organ der Flagellaten. Allgemein bekannt ist die Charakterisierung der Wundmale Christi als Stigmata (Plural von Stigma) in der christlichen Theologie.

Der zunächst neutral verwendete Begriff erfährt bereits in der Antike eine Veränderung hin zum Negativen. Als Stigmata gelten in den Körper gebrannte oder geschnittene Zeichen zur öffentlichen Kennzeichnung unehrenhafter Menschen, Sklaven und Verbrecher. Diese Definition findet ihre Weiterentwicklung in der modernen Soziologie. Im Wörterbuch der Soziologie von Hillmann wird Stigma als ein "Brand-, Schandmal (physisches, psychisches oder soziales Merkmal)" definiert, "durch das eine Person sich von allen übrigen Mitgliedern einer Gruppe (oder Gesellschaft) negativ unterscheidet und aufgrund dessen ihre soziale Deklassierung, Isolation oder sogar allgemeine Verachtung droht (Stigmatisierung)". Unterschieden wird heutzutage zwischen der Stigmatisierung durch die Öffentlichkeit (public stigma) und der Selbststigmatisierung (self stigma).


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