„Psychiatrie – Politik – Gesellschaft. Menschen mit psychischen Erkrankungen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft“ lautete das Motto der Jahrestagung 2019 des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit. 40 der über 100 Bündnispartner trafen sich am 4. November in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, um zu diskutieren, Ideen zu sammeln und wichtige Themen in den Fokus zu rücken.

Der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Prof. Dr. Wolfgang Gaebel begrüßte die Teilnehmer*innen sowie als Gäste Prof. Dr. Arno Deister, Past President der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), die Geschäftsführerin der DGPPN Julie Holzhausen und den Landesbeauftragten für Psychiatrie der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dr. Thomas Götz. Er verwies auf die langjährigen Aktivitäten des Aktionsbündnisses zur Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit in den verschiedensten Bereichen. Auch Prof. Dr. Arno Deister, Past President der DGPPN, begrüßte alle Teilnehmenden und betonte die Wichtigkeit des Bündnisses als Anti-Stigma-Initiative.

Die Koordinatorin des Aktionsbündnisses Birgit Oehmcke stellte im Anschluss die wichtigsten Aktionen und Veranstaltungen des Jahres vor. Ein Highlight war der Aktionstag auf dem Potsdamer Platz in Berlin zur Eröffnung der 13. Berliner und der bundesweiten Woche der seelischen Gesundheit am 10. Oktober. Das gemeinsam mit Bipolaris e.V. und dem Berliner Behindertenverband entwickelte Programm hat mehr als 2000 Besucher angezogen und auch in den Medien ein positives Echo gefunden. Andrea Rothenburg, Filmemacherin und Vorsitzende des Vereins Psychiatrie in Bewegung, präsentierte ihren kurzen Film über den Berliner Aktionstag und die Anti-Stigma-Kampagne „Die Grüne Schleife“. Auch die bundesweite Aktionswoche – erstmals unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – war mit mehr als 800 Veranstaltungen ebenfalls ein großer Erfolg.

In drei spannenden Impulsvorträgen berichtete als Erste Julia Thimm vom Aktionsbündnis über den erfolgreichen Start der Anti-Stigma-Kampagne „Die Grüne Schleife für mehr Akzeptanz für psychische Erkrankungen“. Im September konnte die Kampagne mit tatkräftiger Unterstützung der DGPPN gelauncht und mittlerweile über 127 000 Schleifen bundesweit verteilt werden. Insbesondere die Communities in den sozialen Medien des ABSG konnten zum Erfolg der Grünen Schleife beitragen. Ihr folgte die Geschäftsführerin des Dachverbands Gemeindepsychiatrie Birgit Görres mit einem Bericht zur Arbeit der Sachverständigen AG des Bundestages zur schwierigen Situation der etwa 4 Millionen Kinder psychisch erkrankter Eltern in Deutschland. Hier müssen dringend praktikable Lösungen zur besseren Versorgung gefunden werden, wie sie z.B. die Leuchtturmprojekte des Dachverbands Gemeindepsychiatrie schon exemplarisch vorleben. Der Vorsitzende von Bipolaris e.V. Uwe Wegener stellte dann gemeinsam mit Julia Eder und Jenny Ziegenhagen von expeerienced e.V. das "Berliner Manifest einer menschenwürdigen Psychiatrie" vor. Kern des Manifests sind die Leitideen einer menschenwürdigen Psychiatrie mit den Forderungen nach mehr Selbstbestimmung der Betroffenen, größerer Transparenz der Hilfestrukturen und konsequenter Partizipation auf allen Ebenen.

Nach der Mittagspause begrüßte Prof. Gaebel MdB Maria Klein-Schmeink, die Sprecherin für Gesundheitspolitik und Mitglied des Gesundheitsausschusses der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Zum Thema „Wie sieht der Einsatz der Politik für das Thema psychische Erkrankungen aus?“ berichtete Frau Klein-Schmeink von ihrer politischen Arbeit für eine Verbesserung der Situation von Betroffenen und Angehörigen. Dazu hat ihre Fraktion in dieser Wahlperiode 9 Initiativen und eine große Petition eingebracht.

Nach der anregenden Fragerunde und Diskussion mit der Politikerin konnten die Teilnehmer*innen sich einem von drei Workshops anschließen, um die Themen zu vertiefen, neue Ideen zu sammeln und Lösungen zu erarbeiten. Im ersten Workshop „Psychische Erkrankungen und Politik – Positionen des ABSG“ unter der Leitung von Prof. Gaebel und Gudrun Schliebener, stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses, wurden Möglichkeiten für eine wirksame Verknüpfung von Aufklärungsarbeit, Betroffenenbelangen und Politik erarbeitet. In der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“ wurde diskutiert, wie eine schnelle und niedrigschwellige Hilfe für die Kinder psychisch erkrankter Eltern in den Kommunen umgesetzt werden kann. Der Workshop „Fortsetzung der Aktion Grüne Schleife“ plante medienwirksame Wege, um die Reichweite der Grünen Schleife zu vergrößern und zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.

Im letzten Teil unserer Jahrestagung stellten sich zwei der insgesamt 9 neuen Mitglieder vor: 

  • Susanne Azimpoor und Georg Roloff präsentierten Gender Inspiration e.V. aus Köln.
  • Annika Reinhold stellte On the Move e.V. aus Dresden vor.

Zum Ende der Veranstaltung wurde noch einmal gemeinsam die Wichtigkeit der Vernetzung der Bündnismitglieder untereinander betont.

Weitere Fotos finden Sie in der Galerie auf unserer Facebook-Seite.

 

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